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Bonus­pro­gramme der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung in der Ein­kom­mens­be­steue­rung

Die gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen bie­ten ihren Ver­si­cher­ten die Mög­lich­keit, inner­halb von Bonus­pro­gram­men Vor­teile zu erzie­len. Die Teil­neh­mer kön­nen für ihr gesund­heits­be­wuss­tes Ver­hal­ten meist Bar- oder Sach­prä­mien erhal­ten. In der Regel ist der Bonus von der Erfül­lung ver­schie­de­ner Kri­te­rien wie dem Wahr­neh­men bestimm­ter Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen, sport­li­chen Betä­ti­gun­gen oder einem Nicht­rau­cher­sta­tus abhän­gig.


Im Mit­tel der Kran­ken­kas­sen bekom­men Ver­si­cherte nach einer Unter­su­chung der Ver­brau­cher­zen­trale NRW maxi­mal 170 Euro pro Jahr. Die­ser Arti­kel beschreibt die ein­kom­men­steu­er­li­che Behand­lung der Bonus­leis­tun­gen der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­run­gen nach einem steu­er­zah­ler­freund­li­chen Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs.

Recht­li­cher Hin­ter­grund

Die vom Steu­er­pflich­ti­gen geleis­te­ten Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rungs­bei­träge min­dern als Son­der­aus­ga­ben inner­halb der Ein­kom­men­steu­er­ver­an­la­gung das steu­er­pflich­tige Ein­kom­men. Erstat­tet eine Kran­ken­ver­si­che­rung ihrem Ver­si­cher­ten einen Teil sei­ner Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­träge, min­dert diese Erstat­tung die als Son­der­aus­ga­ben abzieh­ba­ren Bei­träge in dem Jahr, in dem sie zufließt.

Zu die­sen Bei­trags­rück­erstat­tun­gen gehör­ten nach Ver­wal­tungs­auf­fas­sung bis­her auch alle Geld- oder Sach­leis­tun­gen, die dem Ver­si­cher­ten im Rah­men sei­ner Teil­nahme an einem Bonus­pro­gramm zuflie­ßen: Die Finanz­äm­ter behan­del­ten diese Zah­lun­gen immer als Beitragsrück­erstattung.

Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat mit Urteil vom 1.6.2016 (X R 17/15) im Wider­spruch zur Auf­fas­sung der Finanz­ver­wal­tung ent­schie­den, dass nicht alle Zah­lun­gen einer gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung, die im Rah­men eines Bonus­pro­gramms (nach § 65a SGB V) geleis­tet wer­den, die als Son­der­aus­ga­ben abzieh­ba­ren Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­träge des Steu­er­pflich­ti­gen min­dern dür­fen.

Mit Schrei­ben des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums vom 6.12.2016 wur­den die Finanz­äm­ter nun ange­wie­sen, die neuen Urteils­grund­sätze mit sofor­ti­ger Wir­kung auf gleich gela­gerte Sach­ver­halte anzu­wen­den.

Unter­schei­dung Kos­ten­er­stat­tung und Bei­trags­rück­erstat­tung

Hat der Ver­si­cherte

  • bestimmte Gesund­heits­maß­nah­men selbst finan­ziert,
  • die vom Leis­tungs­um­fang der Kran­ken­ver­si­che­rung nicht umfasst sind, und
  • kann er diese Kos­ten nach den kon­kre­ten Bonus­mo­dell­be­stim­mun­gen für im Rah­men eines Bonus­pro­gramms erwor­bene „Ansprü­che“ von der Kran­ken­ver­si­che­rung erstat­tet bekom­men,

dann han­delt es sich hier­bei um eine Kos­ten­er­stat­tung und nicht um eine Bei­trags­rück­erstat­tung. Die Kran­ken­ver­si­che­run­gen dür­fen sol­che Kos­ten­er­stat­tun­gen nicht mehr als Bei­trags­rück­erstat­tung an die Finanz­ver­wal­tung mel­den.

Zen­trale Vor­aus­set­zung für die Nicht­ver­rech­nung von Bonus­leis­tun­gen ist, dass im Bonus­pro­gramm expli­zit eine Kos­ten­tra­gung durch den Ver­si­cher­ten vor­aus­ge­setzt wird. Regelt das Pro­gramm ledig­lich, dass der Ver­si­cherte für den Bonu­ser­halt bestimmte Gesund­heits­maß­nah­men durch­füh­ren oder sich in gewis­ser Weise ver­hal­ten muss, ist die Bonus­leis­tung hin­ge­gen keine Kos­ten­er­stat­tung, son­dern eine zu ver­rech­nende Bei­trags­er­stat­tung.

Beschei­ni­gun­gen der Kran­ken­kas­sen

Die Kran­ken­kas­sen über­mit­teln regel­mäßig Daten an die Finanz­äm­ter. Die Kran­ken­ver­si­che­run­gen wer­den inner­halb der gesetz­lich vor­ge­se­he­nen elek­tro­ni­schen Daten­über­mitt­lung für 2016 jedoch noch keine Dif­fe­ren­zie­rung der ver­schie­de­nen Bonus­pro­gramme vor­neh­men.

Somit wer­den alle Bei­trags­er­stat­tun­gen, Geld­prä­mien oder Sach­prä­mien aus Bonus­pro­gram­men sowie Kos­ten­er­stat­tungs­fälle der­zeit noch als son­der­aus­ga­ben­min­dernde Bei­trags­rück­erstat­tung gemel­det.

Gesetz­lich Ver­si­cherte, die einen Bonus bekom­men haben, erhal­ten daher von ihrer Kran­ken­ver­si­che­rung eine Beschei­ni­gung über die Bonus­zah­lun­gen. Diese Beschei­ni­gung muss dem Finanz­amt mit der Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung vor­ge­legt wer­den.

Fazit

Das steu­er­zah­ler­freund­li­che Urteil ist zu begrü­ßen. Ärger­lich ist jedoch der umständ­li­che Weg für die Steu­er­pflich­ti­gen, die Beschei­ni­gun­gen mit den Steu­er­erklä­run­gen ein­rei­chen zu müs­sen.


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