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Das häus­li­che Arbeits­zim­mer für meh­rere Nut­zer

Arbeit­neh­mer kön­nen dann ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer abset­zen, wenn ihnen kein ande­rer Arbeits­platz zur Ver­fü­gung steht oder wenn das Arbeits­zim­mer den Mit­tel­punkt der gesam­ten beruf­li­chen Betä­ti­gung bil­det.


Steht für die im Arbeits­zim­mer aus­ge­übte beruf­li­che Tätig­keit kein ande­rer Arbeits­platz zur Ver­fü­gung, ist der Abzug der Auf­wen­dun­gen auf maxi­mal 1.250 Euro begrenzt. Häu­fig tritt die­ser Fall bei­spiels­weise bei Leh­rern auf, deren Mit­tel­punkt der Betä­ti­gung die Schule dar­stellt.

Bil­det das Arbeits­zim­mer hin­ge­gen den Mit­tel­punkt der gesam­ten beruf­li­chen Betä­ti­gung des Steu­er­pflich­ti­gen, ist der Abzug der tat­säch­li­chen Auf­wen­dun­gen als Wer­bungs­kos­ten unbe­grenzt mög­lich.

Die Abzugs­be­schrän­kung auf 1.250 Euro war nach bis­he­ri­ger Recht­spre­chung objekt­be­zo­gen. Nutz­ten meh­rere Per­so­nen, z. B. Ehe­gat­ten, ein gemein­sa­mes Arbeits­zim­mer, waren die Auf­wen­dun­gen antei­lig auf die ein­zel­nen Per­so­nen auf­zu­tei­len. Ins­ge­samt war der Abzug jedoch auf 1.250 Euro begrenzt.

Ände­rung der Recht­spre­chung

Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat mit Urtei­len vom 15.12.2016 (Akten­zei­chen VI R 53/12 und VI R 86/13) seine Recht­spre­chung zum häus­li­chen Arbeits­zim­mer für meh­rere Nut­zer zuguns­ten der Steu­er­pflich­ti­gen geän­dert. Die Höchst­be­trags­grenze von 1.250 Euro ist dem­nach nicht mehr objekt­be­zo­gen, son­dern per­so­nen­be­zo­gen.

Folge der Recht­spre­chungs­än­de­rung ist, dass bei der Nut­zung eines häus­li­chen Arbeits­zim­mers durch meh­rere Steu­er­pflich­tige jeder von ihnen seine Auf­wen­dun­gen hier­für bis zu die­ser Ober­grenze Ein­künfte min­dernd gel­tend machen kann.

Urteile im Detail

Im ers­ten Fall (VI R 53/12) nutz­ten die Klä­ger gemein­sam ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer in einem Ein­fa­mi­li­en­haus, das ihnen jeweils zur Hälfte gehörte. Das Finanz­amt und das Finanz­ge­richt erkann­ten die Auf­wen­dun­gen für das häus­li­che Arbeits­zim­mer von jähr­lich ca. 2.800 Euro nur in Höhe von 1.250 Euro an und ord­ne­ten die­sen Betrag den Klä­gern je zur Hälfte zu.

Der BFH hat die Vor­ent­schei­dung auf­ge­ho­ben. Er begrün­dete dies damit, dass der auf den Höchst­be­trag von 1.250 Euro begrenzte Abzug der Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer jedem Steu­er­pflich­ti­gen zu gewäh­ren ist, dem für seine betrieb­li­che oder beruf­li­che Tätig­keit kein ande­rer Arbeits­platz zur Ver­fü­gung steht, wenn er in dem Arbeits­zim­mer über einen Arbeits­platz ver­fügt und die gel­tend gemach­ten Auf­wen­dun­gen getra­gen hat.

Der BFH hat zudem klar­ge­stellt, dass die Kos­ten bei Ehe­gat­ten jedem Ehe­part­ner grund­sätz­lich zur Hälfte zuzu­ord­nen sind, wenn sie bei hälf­ti­gem Mit­ei­gen­tum ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer gemein­sam nut­zen. Im Streit­fall hatte das Finanz­ge­richt jedoch nicht geprüft, ob der Klä­ge­rin in dem Arbeits­zim­mer ein eige­ner Arbeits­platz in dem für ihre beruf­li­che Tätig­keit kon­kret erfor­der­li­chen Umfang zur Ver­fü­gung stand. Der BFH hat die Sache des­halb an das Finanz­ge­richt zurück­ver­wie­sen.

Im zwei­ten Fall (VI R 86/13) hat der BFH dar­über hin­aus betont, dass für den Abzug der Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer fest­ste­hen muss, dass dort über­haupt eine beruf­li­che oder betrieb­li­che Tätig­keit ent­fal­tet wird. Außer­dem muss der Umfang die­ser Tätig­keit es glaub­haft erschei­nen las­sen, dass der Steu­er­pflich­tige hier­für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer vor­hält. Dies hatte das Finanz­ge­richt nicht auf­ge­klärt. Der BFH musste die Vor­ent­schei­dung daher auch in die­sem Ver­fah­ren auf­he­ben und die Sache an das Finanz-gericht zurück­ver­wei­sen.


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