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Häus­li­ches Arbeits­zim­mer: kein Abzug bei gemischt genutz­ten Räu­men

Der Große Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs hat mit Beschluss vom 27.07.2015 (Beschluss vom 27. Juli 2015 GrS 1/14) ent­schie­den, dass die Kos­ten für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer bei gemischt genutz­ten Räu­men nicht abge­zo­gen wer­den dür­fen. Nach dem Beschluss des Gro­ßen Senats setzt ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer neben einem büro­mä­ßig ein­ge­rich­te­ten Raum vor­aus, dass es aus­schließ­lich oder nahezu aus­schließ­lich für betrieb­li­che oder beruf­li­che Zwe­cke genutzt wird. Fehlt es hieran, sind die Auf­wen­dun­gen hier­für ins­ge­samt nicht abzieh­bar. Damit schei­det eine Auf­tei­lung und antei­lige Berück­sich­ti­gung im Umfang der betrieb­li­chen oder beruf­li­chen Ver­wen­dung aus.


Sach­ver­halt

In dem der Ent­schei­dung des Gro­ßen Senats zugrunde lie­gen­den Ver­fah­ren war strei­tig, ob Kos­ten für einen Wohn­raum, der zu 60 % zur Erzie­lung von Ein­nah­men aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung und zu 40 % pri­vat genutzt wird, antei­lig als Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung abzieh­bar sind.

Ent­schei­dung des Gro­ßen Senats

Der Große Senat begrün­det seine Ent­schei­dung neben dem all­ge­mei­nen Wort­ver­ständ­nis damit, dass der Gesetz­ge­ber aus­weis­lich der Gesetz­ge­bungs­mo­tive aus­drück­lich an den her­kömm­li­chen Begriff des „häus­li­chen Arbeits­zim­mers“ ange­knüpft hat. Der Begriff des häus­li­chen Arbeits­zim­mers setzt aber seit jeher vor­aus, dass der Raum wie ein Büro ein­ge­rich­tet ist und aus­schließ­lich oder nahezu aus­schließ­lich zur Erzie­lung von Ein­nah­men genutzt wird.

Diese Aus­le­gung dient nach Auf­fas­sung des Gro­ßen Senats dazu, den betrieblich/beruflichen und den pri­va­ten Bereich sach­ge­recht von­ein­an­der abzu­gren­zen, Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten zu unter­bin­den und den Ver­wal­tungs­voll­zug zu erleich­tern.

Im Fall einer Auf­tei­lung sind diese Ziele nicht zu errei­chen, da sich der Umfang der jewei­li­gen Nut­zung inner­halb der Woh­nung des Steu­er­pflich­ti­gen nicht objek­tiv über­prü­fen lässt. Der BFH sieht ins­be­son­dere ein Nut­zungs­zei­ten­buch nicht als geeig­nete Grund­lage für eine Auf­tei­lung an, da die darin ent­hal­te­nen Anga­ben kei­nen über eine bloße Behaup­tung des Steu­er­pflich­ti­gen hin­aus­ge­hen­den Beweis­wert hät­ten. Ebenso man­gelt es an Maß­stä­ben für eine schät­zungs­weise Auf­tei­lung der jewei­li­gen Nut­zungs­zei­ten. Eine sach­ge­rechte Abgren­zung des betrieblichen/beruflichen Bereichs von der pri­va­ten Lebens­füh­rung wäre daher im Fall einer Auf­tei­lung nicht gewähr­leis­tet.

Abwei­chende Beur­tei­lung bei Rei­se­kos­ten

Die vom BFH abge­lehnte Auf­tei­lung steht in Über­ein­stim­mung mit dem Beschluss des Gro­ßen Senats des BFH vom 21. Sep­tem­ber 2009 GrS 1/06. Danach sind Rei­se­auf­wen­dun­gen bei gemischt beruflich/betrieblichen und pri­vat ver­an­lass­ten Rei­sen nach Maß­gabe der Zeit­an­teile der Reise auf­teil­bar. Dem kam keine Bedeu­tung zu, da § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG eine all­ge­mei­nen Grund­sät­zen vor­ge­hende Spe­zi­al­re­ge­lung ist.

Auch Arbeits­ecke nicht abzugs­fä­hig

In die­sem Zusam­men­hang ist auch geklärt, dass Auf­wen­dun­gen für eine soge­nannte „Arbeits­ecke“ nicht abzugs­fä­hig sind, da der­ar­tige Räume schon ihrer Art und ihrer Ein­rich­tung nach erkenn­bar auch pri­va­ten Wohn­zwe­cken die­nen.

Fazit

Kommt ein Raum als Arbeits­zim­mer in Betracht, beschränkt sich die Höhe der steu­er­lich rele­van­ten Auf­wen­dun­gen meist auf 1.250 Euro. Dar­über hin­aus­ge­hende Kos­ten kom­men dann in Betracht, wenn das Arbeits­zim­mer den Mit­tel­punkt der gesam­ten beruf­li­chen Tätig­keit bil­det.

Der Abzug von Kos­ten für ein Arbeits­zim­mer ist damit ohne­hin schon beschränkt. Ent­täu­schend ist, dass der Bun­des­fi­nanz­hof auch noch eine aus­schließ­lich oder nahezu aus­schließ­li­che Nut­zung des Raums zur Erzie­lung von Ein­nah­men erfor­dert.


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