Fachartikel & News

Regeln für Neben­jobs

Immer mehr Arbeit­neh­mer gehen einer Neben­tä­tig­keit nach. Rund drei Mil­lio­nen Men­schen üben in Deutsch­land eine zweite Tätig­keit aus. Für diese Neben­jobs gel­ten diverse Regeln, die in die­sem Bei­trag dar­ge­stellt wer­den. Dabei set­zen wir einen Neben­job einem 450-Euro-Mini­job gleich.



Zuläs­sig­keit eines Neben­tä­tig­keits­ver­bots Neben­tä­tig­kei­ten sind fast immer zuläs­sig. Arbeit­ge­ber kön­nen inner­halb der Haupt­tä­tig­keit nicht ein Ver­bot für Neben­tä­tig­kei­ten aus­spre­chen. Rich­tig ist zwar, dass der Arbeit­neh­mer sei­nem Arbeit­ge­ber seine gesamte Arbeits­kraft schul­det. Dies gilt jedoch nur wäh­rend der Arbeits­zeit.

In sei­ner Frei­zeit darf der Arbeit­neh­mer jedoch einer wei­te­ren Tätig­keit nach­ge­hen oder sich ehren­amt­lich enga­gie­ren. Eine Geneh­mi­gung durch den Arbeit­ge­ber ist nicht erfor­der­lich.

Im Arbeits­ver­trag kann jedoch ver­ein­bart wer­den, dass der Arbeit­neh­mer sämt­li­che Neben­tä­tig­kei­ten sei­nem Arbeit­ge­ber mit­tei­len muss. Zuläs­sig sind auch Neben­tä­tig­keits­ver­bote mit einem Ein­wil­li­gungs­vor­be­halt. Nach sol­chen Ver­ein­ba­run­gen hat der Arbeit­neh­mer Anspruch auf Ertei­lung der Geneh­mi­gung, soweit betrieb­li­che Inter­es­sen der Neben­tä­tig­keit nicht ent­ge­gen­ste­hen. Ein sol­ches Inter­esse kann z. B. bei einer Tätig­keit für ein Kon­kur­renz­un­ter­neh­men bestehen.

Neben­job und Sozi­al­ver­si­che­rungDie sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­che Beur­tei­lung eines Neben­jobs hängt stark von dem Ein­zel­fall ab.

Hat der Arbeit­neh­mer ohne eine Haupt­be­schäf­ti­gung meh­rere Mini­jobs mit einem Ent­gelt bis 450 Euro monat­lich, dann wer­den die Ent­gelte addiert. Wird bei Zusam­men­rech­nung meh­re­rer 450-Euro-Mini­jobs die monat­li­che Grenze von 450 Euro über­schrit­ten, so han­delt es sich um ver­si­che­rungs­pflich­tige Beschäf­ti­gun­gen, die bei der zustän­di­gen Kran­ken­kasse zu mel­den sind.

Arbeit­neh­mer, die bereits einer ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Haupt­be­schäf­ti­gung nach­ge­hen, kön­nen dane­ben nur einen 450-Euro-Mini­job aus­üben. Der zweite und jeder wei­tere 450-Euro-Mini­job wird mit der Haupt­be­schäf­ti­gung zusam­men­ge­rech­net und ist in der Regel ver­si­che­rungs­pflich­tig in der Ren­ten-, Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung. Ledig­lich Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rungs­bei­träge müs­sen für diese Beschäf­ti­gun­gen nicht gezahlt wer­den. Aus­ge­nom­men von der Zusam­men­rech­nung mit der ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Beschäf­ti­gung wird der zeit­lich zuerst auf­ge­nom­mene Mini­job.

Bei der ver­si­che­rungs­recht­li­chen Beur­tei­lung eines Mini­jobs von Rent­nern oder Pen­sio­nä­ren sind keine Beson­der­hei­ten zu beach­ten. Der Pau­schal­bei­trag zur Ren­ten­ver­si­che­rung ist auch für die­sen Per­so­nen­kreis zu zah­len. Es gel­ten jedoch unter­schied­lich hoch bemes­sene Hin­zu­ver­dienst­gren­zen vor dem Errei­chen der Regel­al­ters­grenze, die bei Nicht­be­ach­tung zur Kür­zung bzw. zum Weg­fall der Rente oder Ver­sor­gung füh­ren kön­nen.

Der Pau­schal­bei­trag zur Kran­ken­ver­si­che­rung beträgt bei Mini­jobs im gewerb­li­chen Bereich 13 %, zur Ren­ten­ver­si­che­rung 15 %. Der Bei­trags­an­teil des Arbeit­neh­mers bei einer Ver­si­che­rungs­pflicht in der Ren­ten­ver­si­che­rung beläuft sich auf 3,9 %.

Bei Mini­jobs in Pri­vat­haus­hal­ten wei­chen die Werte ab: Der Pau­schal­bei­trag zur Kran­ken­ver­si­che­rung und zur Ren­ten­ver­si­che­rung beträgt jeweils 5 %. Der Bei­trags­an­teil des Arbeit­neh­mers bei Ver­si­che­rungs­pflicht in der Ren­ten­ver­si­che­rung beträgt in die­sem Fall 13,9 %.

Neben­job und Lohn­steuerDas Arbeits­ent­gelt von Mini­job­bern ist immer steu­er­pflich­tig. Die Lohn­steuer kann pau­schal oder nach den Lohn­steu­er­merk­ma­len erho­ben wer­den, die dem zustän­di­gen Finanz­amt vor­lie­gen.

Die Lohn­steuer vom Arbeits­ent­gelt kann nach Maß­gabe der Lohn­steu­er­merk­male erho­ben wer­den. Die Höhe des Lohn­steu­er­ab­zugs hängt dann von der Lohn­steu­er­klasse ab. Bei den Lohn­steu­er­klas­sen I (Allein­ste­hende), II (bestimmte Allein­er­zie­hende mit Kind) oder III und IV (ver­hei­ra­tete Arbeit­neh­mer/-innen) fällt für das Arbeits­ent­gelt bis 450 Euro keine Lohn­steuer an; bei den Lohn­steu­er­klas­sen V oder VI erfolgt hin­ge­gen schon bei gerin­gen Arbeits­ent­gel­ten ein Steu­er­ab­zug.

Wird die Lohn­steuer nicht nach den Lohn­steu­er­merk­ma­len erho­ben, ist die Lohn­steuer ein­schließ­lich Soli­da­ri­täts­zu­schlag und Kir­chen­steuer für einen 450-Euro-Mini­job mit einem ein­heit­li­chen Pausch­steu­er­satz von ins­ge­samt 2 % des Arbeits­ent­gelts zu erhe­ben. In die­ser ein­heit­li­chen Pausch­steuer ist neben der Lohn­steuer auch der Soli­da­ri­täts­zu­schlag und die Kir­chen­steuer ent­hal­ten. Vor­aus­set­zung ist, dass der Arbeit­ge­ber für sei­nen gering­fü­gig beschäf­tig­ten Arbeit­neh­mer den Pau­schal­bei­trag zur Ren­ten­ver­si­che­rung in Höhe von 15 % ent­rich­tet Hat der Arbeit­ge­ber für das Arbeits­ent­gelt eines 450-Euro-Mini­jobs den Bei­trag zur gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung von 15 % nicht zu ent­rich­ten, kann er die pau­schale Lohn­steuer mit einem Steu­er­satz von 20 % des Arbeits­ent­gelts erhe­ben. Hinzu kom­men der Soli­da­ri­täts­zu­schlag und die Kir­chen­steuer nach dem jewei­li­gen Lan­des­recht.

Der Pau­schal­bei­trag zur Ren­ten­ver­si­che­rung ist z. B. dann nicht zu ent­rich­ten, wenn die Beschäf­ti­gung mit einer wei­te­ren gering­fü­gig ent­lohn­ten Beschäf­ti­gung zusam­men­zu­rech­nen ist, des­halb in der Ren­ten­ver­si­che­rung Ver­si­che­rungs­pflicht besteht und Regel­bei­träge gezahlt wer­den.

Es stellt sich häu­fig die Frage, ob die Indi­vi­du­al­ver­steue­rung nach den Lohn­steu­er­merk­ma­len oder die Pau­schal­ver­steue­rung güns­ti­ger ist. Dies ist nicht all­ge­mein zu beant­wor­ten. Die Indi­vi­du­al­ver­steue­rung kann sich jedoch im Nach­hin­ein bei Abgabe der Steu­er­erklä­rung als nach­tei­lig für den Arbeit­neh­mer her­aus­stel­len. Der Mini-Job ist dann näm­lich in der Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung anzu­ge­ben. Bei Ehe­paa­ren kann es auf­grund der Steu­er­klas­sen­wahl nach Abgabe der Steu­er­erklä­rung durch die Zusam­men­ver­an­la­gung im Nach­gang zu einer höhe­ren Ver­steue­rung kom­men.

This is a unique website which will require a more modern browser to work! Please upgrade today!