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Die Besteue­rung von Kapi­tal­erträ­gen mit der Abgel­tungs­teuer Teil 1

Seit dem 1. Januar 2009 gilt in Deutsch­land die Abgel­tungs­teuer zur Besteue­rung von Kapi­tal­erträ­gen. Im Rah­men die­ser gesetz­li­chen Neu­re­ge­lung exis­tie­ren grund­sätz­lich drei Mög­lich­kei­ten der Besteue­rung von Kapi­tal­ein­künf­ten. Die “typi­sche” Abgel­tungs­teuer wird durch Kapi­tal­ertrag­steu­er­ab­zug direkt durch den Gläu­bi­ger (i.d.R. die Bank) ein­be­hal­ten und an das Finanz­amt abge­führt, womit die Besteue­rung abge­gol­ten ist. Die zweite Mög­lich­keit besteht darin, dass die Kapi­tal­erträge dem Abgel­tungs­teu­er­satz unter­lie­gen, die Steuer aber nicht im Wege des Kapi­tal­ertrag­steu­er­ab­zugs erho­ben wird, son­dern mit dem Abgel­tungs­teu­er­satz im Wege der Ein­kom­men­steu­er­ver­an­la­gung vom Steu­er­pflich­ti­gen selbst abge­führt wird. Die dritte Mög­lich­keit stellt die Aus­nahme von der Abgel­tungs­teuer dar. Hier­bei wer­den die Kapi­tal­ein­künfte mit dem indi­vi­du­el­len Steu­er­satz des kon­ven­tio­nel­len Steu­er­ta­rifs besteu­ert. Die fol­gen­den bei­den Arti­kel sol­len einen Über­blick dar­über geben, wann die jewei­lige Alter­na­tive anzu­wen­den ist und wel­che Mög­lich­kei­ten des Wer­bungs­kos­ten­ab­zugs und der Ver­lust­be­rück­sich­ti­gung noch exis­tie­ren.


Kapi­tal­erträge, die der Kapi­tal­ertrag­steuer mit Abgel­tungs­wir­kung unter­lie­gen. In die­ser Kate­go­rie wer­den die Kapi­tal­erträge nach Abzug des Spa­rer­pausch­be­trags (siehe Teil 2 des vor­lie­gen­den Arti­kels) mit 25 Pro­zent Kapi­tal­ertrag­steuer (im Falle der Kir­chen­steu­er­pflicht mit abwei­chen­dem Satz) belegt. Der Gläu­bi­ger der Erträge, meist eine Bank, behält die Kapi­tal­ertrag­steuer gleich ein, führt sie an das Finanz­amt ab und zahlt die übrig blei­ben­den Erträge an den Kun­den aus. Grund­sätz­lich ist die Steuer damit abge­gol­ten und der Steu­er­pflich­tige braucht diese Kapi­tal­ein­künfte anschlie­ßend im Nor­mal­fall nicht mehr in sei­ner Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung anzu­ge­ben. Damit der Spa­rer­pausch­be­trag bei der Berech­nung der Kapi­tal­ertrag­steuer durch die Bank auch berück­sich­tigt wer­den kann, sollte der Steu­er­pflich­tige einen soge­nann­ten Frei­stel­lungs­auf­trag bei der Bank stel­len (siehe Teil 2 des vor­lie­gen­den Arti­kels).

Unter diese Kate­go­rie fal­len die typi­schen Kapi­tal­erträge wie z.B.:

  • Gewinn­an­teile und sons­tige Bezüge aus Aktien wie z.B. Divi­den­den, aus Genuss­rech­ten oder aus Antei­len an einer GmbH.
  • Bezüge nach Auf­lö­sung oder Kapi­tal­her­ab­set­zung bei einer Kapi­tal­ge­sell­schaft, die nicht in der Rück­zah­lung von Nenn­ka­pi­tal bestehen.
  • Gewinne aus der Ver­äu­ße­rung von Antei­len an einer Kör­per­schaft wie z.B. Aktien oder Anteile an einer GmbH.
  • Ein­nah­men als stil­ler Gesell­schaf­ter oder aus einem par­tia­ri­schem Dar­le­hen.
  • Erträge aus sons­ti­gen Kapi­tal­for­de­run­gen. Hier­un­ter fal­len: Zin­sen aus Bank­gut­ha­ben, Fest­geld­kon­ten, Tages­geld­kon­ten, Spar­brie­fen, Bun­des­schatz­brie­fen und Bau­spar­gut­ha­ben; aber auch Zin­sen aus pri­va­ten Dar­le­hen, Ver­zugs­zin­sen, Erstat­tungs­zin­sen aus Steu­er­rück­zah­lun­gen, Pfand­brie­fen und Schuld­schein­dar­le­hen. Zu beach­ten ist jedoch, dass der abgel­tende Kapi­tal­ertrag­steu­er­ab­zug nur erfolgt, wenn es sich um Zin­sen aus ver­brief­ten oder regis­trier­ten For­de­run­gen han­delt oder die For­de­run­gen gegen­über einem inlän­di­schem Kre­dit­in­sti­tut bestehen. Dar­le­hen unter Pri­vat­leu­ten ohne Regis­trie­rung oder Ver­brie­fung o.ä. fal­len also nicht unter den abgel­ten­den Kapi­tal­ertrag­steu­er­ab­zug wäh­rend Zin­sen aus Anla­gen bei der Bank grund­sätz­lich dem abgel­ten­den Abzug unter­lie­gen.

Kapi­tal­erträge, die nicht dem Kapi­tal­ertrag­steu­er­ab­zug aber dem Abgel­tungs­teu­er­satz unter­lie­gen. Kapi­tal­erträge, für die kein Kapi­tal­ertrag­steu­er­ab­zug vor­ge­nom­men wurde, wie z.B. bei einem Pri­vat­dar­le­hen, müs­sen vom Steu­er­pflich­ti­gen in sei­ner Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung ange­ge­ben wer­den. Fal­len sie unter den Abgel­tungs­teu­er­satz, wer­den sie nach Abzug des Spa­rer­pausch­be­trags mit dem Abgel­tungs­teu­er­satz in Höhe von 25 Pro­zent besteu­ert (bei Kir­chen­steu­er­pflicht weicht der Satz ab). Die ent­spre­chende Abgel­tungs­teuer erhöht dann die tarif­li­che Ein­kom­men­steuer des Steu­er­pflich­ti­gen auf seine wei­te­ren Ein­künfte wie z.B. aus nicht­selbst­stän­di­ger Arbeit. Unter diese Kate­go­rie fal­len grund­sätz­lich alle in der ers­ten Kate­go­rie genann­ten Kapi­tal­erträge, die nicht dem Kapi­tal­ertrag­steu­er­ab­zug unter­le­gen haben. Es kön­nen aber auch andere nicht auf­ge­führte Kapi­tal­erträge betrof­fen sein wie z.B. Zin­sen aus Hypo­the­ken.

Kapi­tal­erträge, die nicht der Abgel­tungs­teuer unter­lie­gen. Kapi­tal­erträge, für die nicht der Abgel­tungs­teu­er­satz gilt, wer­den in die Ein­kom­men­steu­er­ver­an­la­gung des Steu­er­pflich­ti­gen mit ein­be­zo­gen und unter­lie­gen dem “nor­ma­len” Ein­kom­men­steu­er­ta­rif. Die­ser kann bis zu 42 bzw. im Falle der soge­nann­ten Rei­chen­steuer bis zu 45 Pro­zent betra­gen. Dafür ist grund­sätz­lich ein Wer­bungs­kos­ten­ab­zug in Höhe der tat­säch­li­chen Wer­bungs­kos­ten statt des Spa­rer­pausch­be­trags, eine wei­ter­ge­hende Ver­lust­be­rück­sich­ti­gung (siehe Teil 2 des vor­lie­gen­den Arti­kels) sowie die Anwen­dung des Teil­ein­künf­te­ver­fah­rens mög­lich. Unter diese Kate­go­rie fal­len:

  • Kapi­tal­erträge bei denen Gläu­bi­ger und Schuld­ner einer Kapi­tal­for­de­rung nahe ste­hende Per­so­nen sind und die (Zins-) Auf­wen­dun­gen des Schuld­ners Betriebs­aus­ga­ben oder Wer­bungs­kos­ten in Zusam­men­hang mit Ein­künf­ten dar­stel­len, die der inlän­di­schen Besteue­rung unter­lie­gen. Bei­spiels­weise gibt der Vater sei­ner Toch­ter ein Dar­le­hen für deren Ein­zel­un­ter­neh­men (Zin­sen sind hier Betriebs­aus­ga­ben), das der deut­schen Besteue­rung unter­liegt.
  • Kapi­tal­erträge aus sons­ti­gen Kapi­tal­for­de­run­gen, wenn sie von einer Kapi­tal­ge­sell­schaft oder Genos­sen­schaft an den Anteils­eig­ner gezahlt wer­den, der zu min­des­tens 10 Pro­zent betei­ligt ist.
  • Auf Antrag Kapi­tal­erträge aus Gewinn­an­tei­len aus einer Betei­li­gung an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft wie z.B. Divi­den­den, wenn der Steu­er­pflich­tige zu min­des­tens 25 Pro­zent an der Kapi­tal­ge­sell­schaft betei­ligt ist oder zu min­des­tens 1 Pro­zent Anteile hält und beruf­lich z.B. als Geschäfts­füh­rer für diese tätig ist. Hier­bei gilt dann sogar das Teil­ein­künf­te­ver­fah­ren, das im Rah­men der Abgel­tungs­teuer nur noch für Ein­künfte aus Gewer­be­be­trieb, selbst­stän­di­ger Arbeit, Ver­mie­tung und Ver­pach­tung oder Land- und Forst­wirt­schaft Anwen­dung fin­det. Das heißt, dass ledig­lich 60 Pro­zent der Kapi­tal­erträge steu­er­pflich­tig sind, aber im Gegen­zug auch nur 40 Pro­zent der damit ver­bun­de­nen Auf­wen­dun­gen abzugs­fä­hig sind.

Lesen Sie Teil 2 des Arti­kels für die Mög­lich­kei­ten des Wer­bungs­kos­ten­ab­zugs, der Gewinn­be­rech­nung bei Akti­en­ver­käu­fen und der Ver­lust­be­rück­sich­ti­gung bei Ein­künf­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen.

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