Fachartikel & News

Das häus­li­che Arbeits­zim­mer: ein Über­blick über die aktu­elle Rechts­lage

Grund­sätz­lich dür­fen die Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer sowie die Kos­ten der Aus­stat­tung nicht als Betriebs­aus­ga­ben oder Wer­bungs­kos­ten abge­zo­gen wer­den. Bil­det das häus­li­che Arbeits­zim­mer den Mit­tel­punkt der gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Betä­ti­gung, dür­fen die Auf­wen­dun­gen in vol­ler Höhe steu­er­lich berück­sich­tigt wer­den.


Steht für die betrieb­li­che oder beruf­li­che Tätig­keit kein ande­rer Arbeits­platz zur Ver­fü­gung, sind die Auf­wen­dun­gen bis zur Höhe von 1.250 Euro je Wirt­schafts­jahr oder Kalen­der­jahr als Betriebs­aus­ga­ben oder Wer­bungs­kos­ten abzieh­bar. Der Betrag von 1.250 Euro ist kein Pausch­be­trag. Es han­delt sich um einen objekt­be­zo­ge­nen Höchst­be­trag, der nicht mehr­fach für ver­schie­dene Tätig­kei­ten oder Per­so­nen in Anspruch genom­men wer­den kann, son­dern ggf. auf die unter­schied­li­chen Tätig­kei­ten oder Per­so­nen auf­zu­tei­len ist.

Mit dem Steu­er­än­de­rungs­ge­setz 2007 wurde ab dem Ver­an­la­gungs­jahr 2007 die steu­er­li­che Berück­sich­ti­gung auf den Fall beschränkt, dass das Arbeits­zim­mer den Mit­tel­punkt der gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Tätig­keit bil­det. Diese Beschrän­kung der steu­er­li­chen Aner­ken­nung von Auf­wen­dun­gen des häus­li­chen Arbeits­zim­mers wurde aller­dings durch einen Beschluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts (BVerfG) vom 6.7.2010 auf­ge­ho­ben.

Der Gesetz­ge­ber wurde ver­pflich­tet, rück­wir­kend ab dem 1.1.2007 eine ver­fas­sungs­kon­forme Rege­lung für die Fälle zu schaf­fen, in denen das Arbeits­zim­mer nicht Mit­tel­punkt der gesam­ten betrieb­li­chen oder beruf­li­chen Tätig­keit ist, jedoch kein ande­rer Arbeits­platz zur Ver­fü­gung steht.

Im Jah­res­steu­er­ge­setz 2010 hat der Gesetz­ge­ber rück­wir­kend zum 1.1.2007 klar­ge­stellt, dass es für Steu­er­zah­ler ohne wei­te­ren Arbeits­platz einen Wer­bungs­kos­ten- bzw. Betriebs­aus­ga­ben­ab­zug von bis zu 1.250 Euro pro Jahr gibt.

Defi­ni­tion des häus­li­chen Arbeits­zim­mers. Ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer ist ein Raum, der sei­ner Lage, Funk­tion und Aus­stat­tung nach in die häus­li­che Sphäre des Steu­er­pflich­ti­gen ein­ge­bun­den ist und vor­wie­gend der Erle­di­gung gedank­li­cher, schrift­li­cher, ver­wal­tungs­tech­ni­scher oder orga­ni­sa­to­ri­scher Arbei­ten dient und aus­schließ­lich oder nahezu aus­schließ­lich zu betrieb­li­chen und/oder beruf­li­chen Zwe­cken genutzt wird.

Eine unter­ge­ord­nete pri­vate Mit­be­nut­zung (< 10 %) ist dabei unschäd­lich.

Es muss sich bei den Arbei­ten nicht zwin­gend um büro­mä­ßige Tätig­kei­ten han­deln. Ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer kann auch bei geis­ti­ger, künst­le­ri­scher oder schrift­stel­le­ri­scher Betä­ti­gung gege­ben sein. In die häus­li­che Sphäre ein­ge­bun­den ist ein als Arbeits­zim­mer genutz­ter Raum regel­mä­ßig dann, wenn er zur pri­va­ten Woh­nung oder zum Wohn­haus des Steu­er­pflich­ti­gen gehört.
Dies betrifft nicht nur die Wohn­räume, son­dern ebenso Zube­hör­räume. So kann auch ein Raum, z. B. im Kel­ler oder unter dem Dach (Man­sarde) des Wohn­hau­ses, in dem der Steu­er­pflich­tige seine Woh­nung hat, ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer sein, wenn die Räum­lich­kei­ten auf­grund der unmit­tel­ba­ren Nähe mit den pri­va­ten Wohn­räu­men des Steu­er­pflich­ti­gen als gemein­same Wohn­ein­heit ver­bun­den sind.
Dage­gen kann es sich bei einem im Kel­ler oder Dach­ge­schoss eines Mehr­fa­mi­li­en­hau­ses befind­li­chen Raum, der nicht zur Pri­vat­woh­nung des Steu­er­pflich­ti­gen gehört, son­dern zusätz­lich ange­mie­tet wurde, um ein außer­häus­li­ches Arbeits­zim­mer han­deln.

Es ist dabei ohne Bedeu­tung, ob die Woh­nung, zu der das häus­li­che Arbeits­zim­mer gehört, gemie­tet ist oder ob sie sich im Eigen­tum des Steu­er­pflich­ti­gen befin­det. Auch meh­rere Räume kön­nen als ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer anzu­se­hen sein. Die Abtren­nung der Räum­lich­kei­ten vom übri­gen Wohn­be­reich ist erfor­der­lich.

Bei­spiele eines häus­li­chen Arbeits­zim­mers. Bei Anmie­tung einer unmit­tel­bar angren­zen­den oder unmit­tel­bar gegen­über­lie­gen­den Zweit­woh­nung in einem Mehr­fa­mi­li­en­haus ist ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer anzu­neh­men. Glei­ches gilt im Falle eines häus­li­chen Büros z. B. eines selbst­stän­di­gen Jour­na­lis­ten.

Bei­spiele von betrieb­lich genutz­ten Räu­men. Kein häus­li­ches Arbeits­zim­mer, son­dern betrieb­lich genutzte Räume lie­gen regel­mä­ßig vor, wenn z. B. eine Arzt-, Steu­er­be­ra­ter- oder Anwalts­pra­xis an das Ein­fa­mi­li­en­haus angrenzt oder sich im sel­ben Gebäude wie die Pri­vat­woh­nung befin­det und diese Räum­lich­kei­ten für einen inten­si­ven und dau­er­haf­ten Publi­kums­ver­kehr geöff­net und z. B. bei häus­li­chen Arzt­pra­xen für Pati­en­ten­be­su­che und -unter­su­chun­gen ein­ge­rich­tet sind.

Han­delt es sich bei dem für die betrieb­li­che oder beruf­li­che Tätig­keit genutz­ten Arbeits­zim­mer des Steu­er­pflich­ti­gen nicht um ein häus­li­ches, son­dern um ein außer­häus­li­ches Arbeits­zim­mer, kön­nen die Auf­wen­dun­gen für diese Räum­lich­kei­ten unbe­grenzt, soweit ange­mes­sen, als Betriebs­aus­ga­ben oder Wer­bungs­kos­ten abge­zo­gen wer­den.

Auf­wen­dun­gen des häus­li­chen Arbeits­zim­mers. Zu den Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeit­zim­mer gehö­ren ins­be­son­dere die antei­li­gen Auf­wen­dun­gen für Miete, Gebäude-AfA, Abset­zun­gen für außer­ge­wöhn­li­che tech­ni­sche oder wirt­schaft­li­che Abnut­zung, Son­der­ab­schrei­bun­gen, Schuld­zin­sen für Kre­dite, die zur Anschaf­fung, Her­stel­lung oder Repa­ra­tur des Gebäu­des oder der Eigen­tums­woh­nung ver­wen­det wor­den sind, Was­ser- und Ener­gie­kos­ten, Rei­ni­gungs­kos­ten, Grund­steuer, Müll­ab­fuhr­ge­büh­ren, Schorn­stein­fe­ger­ge­büh­ren, Gebäu­de­ver­si­che­run­gen, Reno­vie­rungs­kos­ten, Auf­wen­dun­gen für die Aus­stat­tung des Zim­mers, wie z. B. Tape­ten, Tep­pi­che, Fens­ter­vor­hänge, Gar­di­nen und Lam­pen.

Mit­tel­punkt der gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Betä­ti­gung. Ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer ist der Mit­tel­punkt der gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Betä­ti­gung des Steu­er­pflich­ti­gen, wenn nach Wür­di­gung des Gesamt­bil­des der Ver­hält­nisse und der Tätig­keits­merk­male dort die­je­ni­gen Hand­lun­gen vor­ge­nom­men und Leis­tun­gen erbracht wer­den, die für die kon­kret aus­ge­übte betrieb­li­che oder beruf­li­che Tätig­keit wesent­lich und prä­gend sind.

Der Mit­tel­punkt der Tätig­keit bestimmt sich nach dem inhalt­li­chen (qua­li­ta­ti­ven) Schwer­punkt der betrieb­li­chen und beruf­li­chen Betä­ti­gung des Steu­er­pflich­ti­gen. Dem zeit­li­chen (quan­ti­ta­ti­ven) Umfang der Nut­zung des häus­li­chen Arbeits­zim­mers kommt im Rah­men die­ser Wür­di­gung ledig­lich eine indi­zi­elle Bedeu­tung zu.

Bei einem Ver­kaufs­lei­ter, der zur Über­wa­chung von Mit­ar­bei­tern und zur Betreu­ung von Groß­kun­den auch im Außen­dienst tätig ist, kann somit z. B. das häus­li­che Arbeits­zim­mer Tätig­keits­mit­tel­punkt sein, wenn er dort die für den Beruf wesent­li­chen Leis­tun­gen (z. B. Orga­ni­sa­tion der Betriebs­ab­läufe) erbringt.

Bei einem – freien oder ange­stell­ten – Han­dels­ver­tre­ter liegt der Tätig­keits­schwer­punkt hin­ge­gen außer­halb des häus­li­chen Arbeits­zim­mers, wenn die Tätig­keit nach dem Gesamt­bild der Ver­hält­nisse durch die Arbeit im Außen­dienst geprägt ist, auch wenn die zu Hause ver­rich­te­ten Tätig­kei­ten zur Erfül­lung der beruf­li­chen Auf­ga­ben uner­läss­lich sind. Bei Leh­rern befin­det sich der Mit­tel­punkt der betrieb­li­chen und beruf­li­chen Betä­ti­gung regel­mä­ßig nicht im häus­li­chen Arbeits­zim­mer, weil die berufs­prä­gen­den Merk­male eines Leh­rers im Unter­rich­ten bestehen und diese Leis­tun­gen in der Schule erbracht wer­den.

Für die betrieb­li­che oder beruf­li­che Betä­ti­gung steht kein ande­rer Arbeits­platz zur Ver­fü­gung. Ande­rer Arbeits­platz ist grund­sätz­lich jeder Arbeits­platz, der zur Erle­di­gung büro­mä­ßi­ger Arbei­ten geeig­net ist. Wei­tere Anfor­de­run­gen an die Beschaf­fen­heit des Arbeits­plat­zes wer­den nicht gestellt. Ein ande­rer Arbeits­platz steht dem Steu­er­pflich­ti­gen dann zur Ver­fü­gung, wenn die­ser ihn in dem kon­kret erfor­der­li­chen Umfang und in der kon­kret erfor­der­li­chen Art und Weise tat­säch­lich nut­zen kann. Die Erfor­der­lich­keit des häus­li­chen Arbeits­zim­mers ent­fällt nicht bereits dann, wenn dem Steu­er­pflich­ti­gen irgend­ein Arbeits­platz zur Ver­fü­gung steht, son­dern nur dann, wenn die­ser Arbeits­platz grund­sätz­lich so beschaf­fen ist, dass der Steu­er­pflich­tige auf das häus­li­che Arbeits­zim­mer nicht ange­wie­sen ist.

Als Bei­spiele kön­nen hier Leh­rer oder ange­stellte Kran­ken­haus­ärzte her­an­ge­zo­gen wer­den:

Ein Leh­rer hat für seine Unter­richts­vor­be­rei­tung in der Schule kei­nen Schreib­tisch. Das jewei­lige Klas­sen­zim­mer oder das Leh­rer­zim­mer stellt kei­nen Arbeits­platz im Sinne der Abzugs­be­schrän­kung dar. Etwas ande­res gilt etwa, wenn einem Schul­lei­ter mit einem Unter­richt­s­pen­sum von 18 Wochen­stun­den im Schul­se­kre­ta­riat ein Schreib­tisch nur für die Ver­wal­tungs­ar­bei­ten zur Ver­fü­gung steht. Für die Vor- und Nach­be­rei­tung des Unter­richts kann die­ser Arbeits­platz nach objek­ti­ven Kri­te­rien wie Größe, Aus­stat­tung und Nut­zung nicht genutzt wer­den, diese Arbei­ten müs­sen im häus­li­chen Arbeits­zim­mer ver­rich­tet wer­den.

Ein ange­stell­ter Kran­ken­haus­arzt übt eine frei­be­ruf­li­che Gut­ach­ter­tä­tig­keit aus. Dafür steht ihm im Kran­ken­haus kein Arbeits­platz zur Ver­fü­gung.

Fazit. Die Abzugs­fä­hig­keit eines häus­li­chen Arbeits­zim­mers ist von erheb­li­cher prak­ti­scher Bedeu­tung. Dabei sind viele Pro­blem­kreise zu beach­ten, die im Rah­men die­ses Arti­kels nicht behan­delt wer­den kön­nen: Zum Bei­spiel die Nut­zung des Arbeits­zim­mers zur Erzie­lung unter­schied­li­cher Ein­künfte oder die Nut­zung des Arbeits­zim­mers durch meh­rere Steu­er­pflich­tige.

This is a unique website which will require a more modern browser to work! Please upgrade today!